Die Anthroposophische Medizin geht auf Rudolf Steiner (1861–1925) und die Ärztin Ita Wegman (1876–1943) zurück.

Die von Rudolf Steiner (1861–1925) und Ita Wegman (1876–1943) begründete Anthroposophische Medizin ist eine Erweiterung der naturwissenschaftlichen Medizin, die neben den naturwissenschaftlich erfassbaren physisch-leiblichen Grundlagen des Menschen auch dessen seelische und geistige Dimensionen berücksichtigt.

Die Entwicklung der anthroposophischen Medizin und Pharmazie entstand hauptsächlich aus der Zusammenarbeit mit der Ärztin Ita Wegman.  Auf Anfrage von Ärzten, die an Vorträgen Rudolf Steiners teilnahmen, kam es ab 1920 zur Abhaltung von medizinischen Fachkursen und damit zur engen Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft, insbesondere mit Dr. Ita Wegman.

Bald entstanden in Arlesheim und in Stuttgart auch klinische Einrichtungen und anthroposophische Heilmittelfirmen. Aus diesen Anfängen heraus verbreitete sich die anthroposophisch-medizinische Bewegung zunächst in Mitteleuropa und ist heute weltweit tätig. Tausende Ärzte arbeiten in verschiedenen Gebieten nach der Anthroposophie Definition und der Medizin und bemühen sich um eine Erweiterung der Heilkunst.

1923 wurde die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft neu gegründet, um die Inspirationsquelle der vielfältigen Initiativen – die Anthroposophie – in sichtbarer Gestalt in das Zentrum der Bewegung zu stellen. Rudolf Steiner übernahm selbst den Vorsitz dieser nach allen Seiten offenen Gesellschaft.

Neben den Arzneimitteln gibt es auch weitere Heilverfahren, die verordnet werden können. Dazu gehören Heileurythmie, eine achtsame Bewegungstherapie sowie Kunsttherapien wie plastisch-therapeutisches Gestalten und Maltherapie. Begleitet von einem Therapeuten wird der heilende Prozess hier durch initiative Eigentätigkeit des Patienten gefördert. Die aktive Auseinandersetzung mit Bewegung, Form, Farbe, Klang oder Sprache regt die gesundenden Prozesse im Menschen in besonderem Masse an.

Anthroposophische Medizin – Anwendung und Ergänzung

In der Anthroposophischen Medizin wird die herkömmliche Schulmedizin als fundierte naturwissenschaftliche Grundlage begriffen, die jedoch um bestimmte geisteswissenschaftliche Erkenntnisse zu ergänzen ist. Sie fügt zu der Erkenntnis des physischen Menschen, die allein durch die naturwissenschaftlichen Methoden der Gegenwart gewonnen werden kann, diejenige vom geistigen Menschen.

Die anthroposophisch therapeutischen Methoden finden dort Anwendung, wo Selbstheilungskräfte zur Eigentätigkeit angeregt und unterstützt werden können. Zur ganzheitlichen Behandlung eines Patienten wird ein individualisiertes multimodales Therapiekonzept aufgestellt. Die Verabreichung der Heilmittel erfolgt durch Einnahme, als Injektion oder äußere Pflegeanwendung (Auflagen, Wickel, Einreibungen).

Grundlegendes für eine Erweiterung der Heilkunst nach geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen. Die therapeutischen Konzepte der Anthroposophischen Medizin verbinden Komplementär- und Schulmedizin. Phytotherapeutische, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel finden je nach Bedarf ihren Einsatz.

Sie werden durch äußere Anwendungen, Bewegungstherapien und Kunsttherapien ergänzt. Über die Krankheitsbehandlung hinaus sollen die Selbstheilungskräfte und gesunden Anteile des Patienten angeregt und und gestärkt werden, um Gesundheit nachhaltig zu fördern.

Anthroposophische Medizin – die Therapiemethoden

Für die Anthroposophische Medizin stellt der Mensch eine Einheit von Körper, Seele und Geist dar. Sowohl Gesundheit als auch Krankheit müssen deshalb immer aus dem Blickwinkel gesehen werden, dass die spirituelle Dimension des Menschen mit der psychischen und der körperlichen Ebene in einer Wechselwirkung steht.

Entsprechend umfasst die Anthroposophische Medizin eine Vielzahl von Methoden, einerseits solche der Schulmedizin, aber auch solche der Komplementär- und Alternativmedizin. Zu letzteren gehören Heilmittel aus Pflanzen oder mineralischen und tierischen Substanzen, eines der bekanntesten sind Mistelpräparate, die bei Krebserkrankungen eingesetzt werden, ebenso wie äußere Anwendungen wie Einreibungen, Wickel, Bäder oder rhythmische Massagen.

Ergänzende Therapien in der Anthroposophie

Wichtig sind aber auch Gesprächs-, Musik-, Mal- und andere Kunsttherapien, Ernährungs- und Lebensberatung sowie die Heileurythmie, bei der Sprache, Gebärden und Musik mit spezifischen Bewegungsmustern verbunden werden. Gemäß ihrem zugrundeliegenden Weltbild ist die Anthroposophische Medizin bestrebt, die Gesundheit des Menschen auf eine umfassende Weise wiederherzustellen und zu fördern.

Dabei werden stets auch die Patientinnen und Patienten selber aktiv mit einbezogen und ihre Selbstheilkräfte gestärkt. Anthroposophische Ärztinnen und Ärzte arbeiten dabei mit Pflegefachpersonen und Therapeutinnen und Therapeuten zusammen, welche die genannten Therapieformen anwenden und ebenfalls von diesem ganzheitlichen Ansatz ausgehen. Diese Art der zuwendungsorientierten, patientenbezogenen Behandlung eignet sich besonders für die Therapie von chronischen, langwierigen Erkrankungen.

Auf Anfrage von Ärzten, die an Vorträgen Rudolf Steiners teilnahmen, kam es ab 1920 zur Abhaltung von medizinischen Fachkursen und damit zur engen Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft, insbesondere mit Dr. Ita Wegman. Bald entstanden in Arlesheim und in Stuttgart auch klinische Einrichtungen und anthroposophische Heilmittelfirmen. Aus diesen Anfängen heraus verbreitete sich die nthroposophisch-medizinische Bewegung zunächst in Mitteleuropa und ist heute weltweit tätig. Tausende Ärzte arbeiten in verschiedenen Gebiete der Anthroposophie Heilkunde und bemühen sich um eine Erweiterung der Heilkunst.

Die Wirksamkeit der Anthroposophischen Medizin

Wie wirksam und nachhaltig die Anthroposophische Medizin ist, hat eine großangelegte Studie gezeigt, die in Deutschland über einen Zeitraum von sechs Jahren durchgeführt wurde. Es wurden 1‘510 ambulant behandelte Patientinnen und Patienten im Alter von 1 bis 75 Jahren erfasst, die an chronischen Beschwerden litten. Sie, respektive bei Kindern ihre Eltern, wurden sowohl bei Behandlungsbeginn als auch nach mehreren Monaten bezüglich Haupt- und Nebenerkrankungen, Schweregrad der Symptome, Lebensqualität, Patientenzufriedenheit, Nebenwirkungen und der Qualität der Arzt-Patienten-Beziehung befragt.

Es wurden nur Patientinnen und Patienten mit einbezogen, deren Hauptbeschwerden bei Behandlungsbeginn während bereits mindestens 30 Tagen vorhanden gewesen waren und die dafür zuvor noch keine anthroposophische Behandlung oder Therapie erhalten hatten.

Studie belegt den Behandlungserfolg

Diese sogenannte AMOS-Studie (Anthroposophic Medicine Outcomes Study) ergab im Wesentlichen folgende Ergebnisse: Im Vergleich zur Ausgangssituation bei der ersten Konsultation zeigte sich eine hochsignifikante Verringerung des Schweregrades der Hauptsymptome um rund 50 Prozent. Diese Verbesserung hatte auch nach vier Jahren noch Bestand. Bei allen der insgesamt 26 Vergleiche der klinischen Ergebnisse zeigten sich hochsignifikante und anhaltende Verbesserungen des Gesundheitszustandes.

Umgekehrt waren die Nebenwirkungen der Behandlung insgesamt gering, das heißt entweder selten oder dann zumeist von milder Ausprägung. Bei den verschriebenen anthroposophischen Heilmitteln waren die Nebenwirkungen zudem deutlich geringer als bei den schulmedizinischen. Auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbesserte sich im Behandlungszeitraum nachhaltig. Entsprechend hoch waren zudem die Patientenzufriedenheit und die Kontinuität der Arzt-Patienten-Beziehung.

Heilmittel aus der Natur

Der Mensch stellt als viergliedriges Wesen eine Zusammenfassung der Natur dar, mit der er durch eine gemeinsame Entwicklung eng verbunden ist. In der anthroposophischen Evolutionslehre wird dargestellt, wie sich die Reiche der Mineralien, Pflanzen und Tiere aus der ursprünglichen einheitlichen Entwicklung schrittweise herausgelöst haben, sodass sie schließlich als Naturreiche dem Menschen gegenüberstehen.

Aus dieser Urverwandtschaft mit der Natur resultiert auch die tiefe Heilbeziehung, welche die Natursubstanzen im Menschenwesen entfalten können. In der äußeren Natur liegt unendlich breit gefächert vor, was im Menschen unter der Führung des Ich zu einer Einheit zusammengefasst wird. In der Krankheit verselbständigen sich solche Naturprozesse im Menschen. Substanzen aus den Naturreichen können die entsprechenden Heilprozesse im Organismus anregen, wenn sie durch die Kunst des Pharmazeuten zum Arzneimittel weiterentwickelt werden

Heilmittelzubereitung

Aus den mineralischen, pflanzlichen und tierischen Ausgangsstoffen werden durch die Herstellungsverfahren der anthroposophisch erweiterten Pharmazie, Heilmittel hergestellt.

Ein wesentlicher Unterschied zur gegenwärtigen pharmazeutischen Tendenz, Wirkstoffe zu isolieren oder zu synthetisieren, besteht in der Verwendung des natürlichen Substanzgefüges, wie es in der Natur vorhanden ist. Denn das Ganze ist immer umfassender als eine isolierte Substanz, ja sogar mehr als die Summe der einzelnen Bestandteile.

Anthroposophische Heilmittel und deren Anwendung

Anthroposophische Medizin oder Heilmittel können prinzipiell innerlich, äußerlich oder durch Injektion zur Anwendung gebracht werden. Für die innerliche Anwendung stehen wässrige und alkoholische Lösungen, Verreibungen oder Tabletten sowie Kügelchen, die mit der Arzneilösung besprüht sind, zur Verfügung. Diese Arzneiformen wirken hauptsächlich über den Stoffwechsel. Zäpfchen und Augentropfen
stellen weitere spezielle Anwendungsformen dar.

Die Injektion kann subcutan (unter die Haut) oder intravenös (direkt in die Blutbahn) erfolgen und stellt zweifellos eine Intensivierung der Therapie dar, die durch die Wahl des Injektionsortes besonders betont werden kann. Injektionen entfalten ihre Wirkung über das rhythmische System des Menschen.

Äußere Anwendungen von Tinkturen, Salben, Puder und Ölen oder Badezusätzen ergänzen das therapeutische Angebot wirkungsvoll. Umschläge, Einreibungen und Bäder regen über die Haut den Sinnesorganismus stark an. Die anthroposophie Medizin verfügt über ein umfangreiches Heilmittelangebot. Es reicht von homöopathisch potenzierten bis zu stofflich konzentrierten Präparaten, die in ihrer Komposition und besonderen pharmazeutischen Herstellung auf bestimmte Organbereiche oder Erkrankungstendenzen ausgerichtet werden können.

Die Wahl der Potenzen

Für die Wahl der Potenzhöhe kann der Gesichtspunkt der Dreigliederung Hinweise geben. Tiefe Potenzen bis D8 wirken vor allem im Stoffwechselbereich, mittlere von D8 bis D15 bevorzugt im rhythmischen System, hohe von D15 bis D30 auf das Nerven-Sinnes-System.

Die Häufigkeit und die Art der Arzneiverabreichung richten sich nach der individuellen ärztlichen Einschätzung und Verordnung.

Als Regel kann gelten, dass stoffliche Arzneien und tiefe Potenzen bis zu mehrmals täglich, höhere Potenzen allerdings viel seltener verabreicht werden sollten. Eine Injektionsbehandlung sollte einer ärztlichen Begleitung vorbehalten bleiben. Äußere Anwendungen erfreuen sich eines immer größeren Interesses, setzen aber Kenntnisse in der Hauskrankenpflege voraus, die in praktisch orientierten Anthroposophische Medizin Kursen vermittelt werden können.

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