Die Atemtherapie hat ihre Wurzeln in alten fernöstlichen Kulturen und wird oft in Verbindung mit verschiedenen Meditationspraktiken gebracht.

Atmen ist für uns Menschen selbstverständlich. Das Atemzentrum reguliert den Sauerstoffgehalt in unserem Blut. Ist zu wenig Sauerstoff im Blut, „so atmet es“ entsprechend ein. Rund 23.000 Atemzüge machen wir jeden Tag – meist ohne dieser überlebenswichtigen Funktion unseres Körpers große Beachtung zu schenken. Lediglich dann, wenn wir außer Atem geraten oder wenn das Atmen krankheitshalber Mühe bereitet, merken wir, wie unabdingbar der Atem für unser Leben ist.

Atemtherapie – als Körpertherapie

Die Atemtherapie ist eine Form der Körpertherapie, welche die Wahrnehmung und Präsenz im eigenen Körper fördert und damit eine Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden schafft. In der Atemtherapie lernt der Mensch, sich ganzheitlich wahr zu nehmen, Balance zwischen Aktivität und Regeneration zu finden und die eigenen Ressourcen zu nutzen und zu pflegen.

Die sanfte und achtsame Arbeit der Atemtherapie ermöglicht das Wahrnehmen der eigenen körperlichen und geistigen Bedürfnisse, woraus Selbstverantwortung und das Vertrauen in die Selbstwirksamkeit wachsen können. Neue Verhaltensmöglichkeiten im Alltag können sich zeigen. Zusätzlich fördert die Atemtherapie durch die Erweiterung des körperlichen und seelischen Erlebens auch die persönliche Selbstsicherheit und soziale Kompetenz.

Viele Menschen atmen zu flach (Brustatmung). Dadurch werden die Lungen nur zu 1/3 gefüllt – im Gegensatz zur Bauchatmung, wo die Lungen bis zu 2/3 ihres Volumens gefüllt werden. Die flache Atmung beeinträchtigt die Sauerstoffversorgung.

Die Folgen des Sauerstoffmangels: Die Atmung wird schneller und unruhiger, der Körper gerät in einen permanenten Stresszustand und Beschwerden können auftreten wie: Konzentrationsmangel, Herz- /Kreislauf-Probleme, Verspannungen vor allem im Schulter/NackenBereich, Müdigkeit, Verdauungsprobleme sowie weitere Beschwerden.

Die Atemtherapie genießt einen wichtigen Stellenwert in der Gesundheitsfürsorge. Die Atemtherapie findet in vielen Bereichen Anwendung, wie z.B.:

  • Atembeschwerden und Atem-Fehlverhalten
  • Atemwegserkrankungen
  • Schmerzen aller Art
  • Schlaflosigkeit / innere Unruhe /Müdigkeit
  • Muskuläre Verspannungen und Haltungsfehler
  • Unterstützung in belastenden Lebensphasen
  • Störungen im Magen- / Darmbereich
  • Herz-/Kreislaufbeschwerden
  • Psychosomatische Erkrankungen
  • Essstörungen
  • Angst und Paniksymptome
  • Stress / Burnout
  • Gesundheitserhalt und -förderung der einfach zur Entspannung, zur Steigerung des
    Wohlbefindens und der Vitalität
  • Depressive Verstimmungen
  • Verlust, Trauer
  • Schwangerschaftsbegleitung/Geburtsvorbereitung

Die Ausführung der Atemtherapie

Atemtherapie wird in liegender, sitzender, stehender Position oder in Bewegung ausgeführt. In der Atemtherapie wird großen Wert auf die Gesundheitsfördernde Atmung und die Empfindungsfähigkeit sowie auf das therapeutische Gespräch gelegt. Damit wirkt die Atemarbeit darauf hin, die natürlichen Atembewegungen und –Reaktionen wieder zu finden und auf diese Weise zu fördern.

In der Atemtherapie werden Ressourcen bewusst gemacht, die gezielt wieder abgerufen werden können. Diese Fähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für einen gelingenden, prozesszentrierten Therapieverlauf, welcher darauf hinzielt, dass der Mensch seine Vitalität und Belastungsfähigkeit wieder erlangt, um den Anforderungen des Lebens gelassen begegnen zu können. Besonderer Wert wird auf die Integration des Erfahrenen in den Alltag gelegt.

Wie Atme ich richtig?

Beide Atemfunktionen, die Brust- und die Bauchatmung sind für das Wohlbefinden sehr wichtig. Es gibt nicht die richtige Atem-Methode. Flexibles und situationsangepasstes Atmen ist immer noch am besten. Allerdings sollte das Zwerchfell – der grösste Atemmuskel im besten Fall 80 % der Atemarbeit leisten.

Vorteile der Zwerchfellatmung /Bauchatmung in der Atemtherapie: Die Bauchorgane werden „massiert“ und die Verdauung gefördert. Die rechte Herzhälfte macht alle Zwerchfellbewegungen mit, was dazu führt, dass das Herz mehr Blut aufnehmen kann. Dadurch wird die Herz-Kreislauffunktion unterstützt und der Lymphfluss wird ebenfalls angeregt.

Der Muskel und Energie Kreislauf in der Atemtherapie

Das Atmen ist auch eine muskuläre Angelegenheit. Sind unsere Muskeln gut gespannt, so ist unser Atem meist tief und voll. Das Zwerchfell, unser wichtigster Atemmuskel, und weitere Atemhilfsmuskeln unterstützen die Lunge. Gut gespannte Füsse, Beine und Arme unterstützen den Atemfluss in beträchtlicher Weise!

Bewegliche Gelenke sind ein Segen für uns Menschen. Der Energie – Kreislauf kann durch die vielen verschiedenen Gelenke kontinuierlich weiter strömen. Das Blut, die Lymphe, das Bindegewebe, das Nervensystem werden nicht durch Fehlhaltungen oder Festhaltungen beeinträchtigt. Der Kreislauf und der Atemfluss arbeiten unmittelbar zusammen, gibt es Unregelmäßigkeiten in uns, so hat das einen Einfluss auf den Atemrhythmus.

Wie funktioniert die Atemtherapie?

Die Atemtherapie findet entweder in Gruppen oder im Einzelsetting statt. Es steht ein breites Repertoire an Übungen, Bewegungen und Meditationen zur Verfügung, welche je nach Indikation zusammengestellt werden. In der Einzelarbeit finden häufig auch Sequenzen auf der Behandlungsliege statt.

In allen Kulturen bildete die Atemtherapie seit jeher einen wichtigen Zugang nicht nur zur Heilung und Stärkung des Körpers, sondern auch für die Entwicklung von Seele und Geist. Mit dem Einatmen nehmen wir Sauerstoff auf. Der Sauerstoff ist ein Bestandteil der Nahrung, die unsere Zellen brauchen, um ihre Aufgaben zu erfüllen.

Mit dem Ausatmen geben wir Kohlendioxyd, sozusagen einen Teil des Abfalls unseres Organismus, an die Aussenwelt ab. Die Atmung hilft mit, unseren Säure-Basen Haushalt auszugleichen. Wenn wir sauer sind, ist es sinnvoll, innig auszuatmen und das Saure los zulassen. Der Sauerstoff, die Luft ist ein Geschenk der Aussenwelt an uns.

Der positive Effekt der Atemtherapie

Der Atem ist in unserer schnelllebigen, hektischen Zeit fast vergessen und damit der Zugang zu einer riesigen Kraftquelle unseres eigenen Körpers verloren gegangen. Über eine sorgsam, ausgewählte Atembehandlung wird das Atem- und Körperbewusstsein aufgebaut, die Atemräume entfaltet und eine Tiefenentspannung erreicht. Dadurch werden auf eine einfache un safte Art:

  • eine Balance zwischen Geist, Körper und Seele entdeckt
  • körperliches Bewusstsein und Wohlbefinden erfahren
  • ein intensiver Zugang zum eigenen Atem gefunden
  • der eigene Boden, der Halt und das Vertrauen gefunden
  • unbewusstes Verhalten erkannt
  • das neu Erlernte im persönlichen Alltag integriert und das eigene Handeln erweitert
  • ein tiefer Zugang zum Körper und zu sich selbst entwickelt

Das bewusste Atmen wird auch Heilatmen genannt, da es die körperlichen und seelischen Kräfte aufbaut. Ängste und Sorgen treten dadurch in den Hintergrund. Die neu gewonnene Energie steht über den ungehinderten Atemfluss dem Lebensfluss und einem erweiterten Raumgefühl zur Verfügung. Dabei wird auch das Vertrauen in das Leben und „Das eingebunden Sein im Ganzen“ wieder gefunden.

Die Behandlungsmöglichkeiten der Atemtherapie

Die Einzelbehandlung – Atemtherapie

Atemtherapie als Einzelbehandlung geht auf die persönlichen Anliegen des Patienten ein; sie wird individuell gestaltet. Die Therapeutin unterstützt durch Berührung mit den Händen die Atembewegungen. Der Patient kommt zu sich selbst und beginnt Körper und Atem zu spüren und lernt, die Wechselwirkung zwischen Atem, Körper und Seele zu verstehen. Der Patient wird dadurch selbstbewusster.

Dadurch werden Veränderungs- und Entwicklungsprozesse möglich, die die Gesundheit und das persönliche Wachstum fördern. Die Atembehandlung wird durch Atem- und Bewegungsübungen ergänzt. Den Abschluss jeder Einzelbehandlung der Atemtherapie bildet ein kurzes Gespräch in Bezug auf das Erlebte (spüren, fühlen, entdecken, erkennen). Dies ist eine Hilfe zur Umsetzung des Erfahrenen im Alltag.

Die Gruppenbehandlung – Atemtherapie

Atemtherapie in der  Gruppe hat der Patient Gelegenheit, über Wahrnehmungs-, Körper- und Bewegungsübungen einen neuen Zugang zu seinem Körper zu finden. Der Patient lernt in der Atemtherapie Möglichkeiten kennen, dem Atem Raum zu geben, dadurch können sich Spannungen lösen.

Beim Üben wird bewusst, wie man mit sich selbst sowie mit alltäglichen Anforderungen und Aufgaben umgehen kann. Im Gruppenunterricht können persönliche Erfahrungen und Erkenntnisse im Gespräch ausgetauscht werden.

Die PMR Atemtherapie (Progressive Muskel Relaxion)

Die Progressive Muskel Relaxation (PMR) ist eine sehr einfach zu erlernende Entspannungstechnik in der Atemtherapie. Mit Anspannungs- und Entspannungsübungen versuchen wir auf die Grundspannung der Muskulatur einzuwirken. Die Senkung des Muskeltonus in der Atemtherapie wirkt sich entspannend und beruhigend auf Körper, Seele und Gehirn aus.

Progressive Muskel Relaxation eignet sich bei Verspannungen, Angst, Unruhe, Schlafstörung, Schmerzproblemen. Progressive Muskel Relaxation ist eine neutrale Methode ohne weltanschaulichen Hintergrund und wird vom Arzt oder der Psychologin verordnet.

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